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WARUM ES HÖCHSTE ZEIT FÜR EIN NEUES SCHUL- UND BILDUNGSSYSTEM WIRD

Wohin geht der Weg für die Kinder der neuen Generation? Im Schul- und Bildungssystem muss sich grundlegend etwas verändern!

 Es war an einem neblig-kühlen Sonntag Ende November als ich mich nach Aarau begab, um an einem Tagesseminar teilzunehmen, das unter dem Titel «Kinder und Eltern der neuen Zeit» stand. Neben Christina von Dreien durfte ich bei dieser Gelegenheit auch die Ansichten von Martina Amato, Manuel Grämiger und Lena Giger kennen lernen. Es war ein äusserst erkenntnisreiches Seminar und es liegt mir viel daran, die wichtigsten Erkenntnisse hier auf meinem Blog wieder zu geben.

 

Wenn man sich mal so zu Gemüte führt, dass das aktuelle Schulsystem, auch wenn es immer wieder etwas angepasst und erneuert wurde, bereits 200 Jahre alt ist und die Kinder der neuen Zeit, darunter viele Indigo-, Kristall- oder Regenbogenkinder (Kinder mit ganz neuen Fähigkeiten) von Lehrern aus dem letzten Jahrhundert unterrichtet werden, wird einem doch etwas unwohl. Wenn man auf dem Schulweg Kinder sieht, die äusserst traurig in die Welt hinausblicken, dann tut das weh. Wenn man dann noch hört, dass diese Kinder immer mehr die Freude an der Schule verlieren und schon früh an Krankheiten wie Depression, Burn-Out oder ADHS leiden, im schlimmsten Fall gar Selbstmord begehen, kommt man spätestens zum Schluss, dass da wohl etwas nicht stimmt. Wenn die Kinder dann noch mit modernen Etiketten wie Hochbegabung, Hyperaktivität, Sozialphobie etc. abgestempelt und zum Psychiater geschickt und mit Psychopharmaka ruhig gestellt werden, dann besteht definitiv wenig Hoffnung, dass diese Kinder vor einem erfüllten Leben stehen.

 

Was dazu führt, ist der ausgeprägte Leistungsdruck, in dem sich in der heutigen Gesellschaft schon früh der Weizen von der Spreu trennt. War es während meiner Schulzeit noch «nice to have» die Mittelschule zu besuchen und danach zu studieren, ist es heute ein «Must». Schaffst Du das als Kind nicht, bist Du bereits ein «Looser». Diese Wertung geschieht nicht durch die Kinder selbst, sondern durch Eltern und Lehrer, die sich den Streber schlechthin wünschen. «Werde ja nie Schreiner, Koch, Coiffeur oder Schiffskapitän, sondern mach was Gescheites, wo Du ganz viel Kohle verdienen kannst». Solche Aussagen sind gang und gäbe, jedoch stammen sie  bestimmt nicht von den Kindern selbst.

 

Es sind die starren Stundenpläne, die sogenannten Fächer und vor allem der Prüfungsdruck und das damit zusammenhängende Benotungssystem, welche unsere Kinder so sehr unter Druck setzen und frustrieren. Wird es nicht höchste Zeit, umzudenken? Oder wie es André Stern so schön sagt: «Kann es sein, dass wenn ein Kind in einem Fach nicht gut genug ist, es möglicherweise ganz einfach so ist, dass sich das Kind für dieses eine Fach, zum Beispiel Mathematik, nicht interessiert? Würde sich das Kind nämlich dafür interessieren, würde es das Thema doch mit Leichtigkeit lernen und verstehen.» Was machen wir Eltern und Lehrer in einem solchen Fall? Wir zwingen das Kind zu Sonderschichten und in den Nachhilfe-Unterricht! Dadurch erlebt das Kind noch mehr Frustration und Einschränkung seiner Fähigkeiten. Genau in solchen Fällen sollte das Kind sich eigentlich Themen widmen, in denen es stark ist und Dinge tun, die Freude bereiten und begeistern. Dabei und insbesondere im Spiel lernt das Kind eigentlich am Meisten.

 

Seien wir Erwachsenen doch ehrlich, in dem wir uns zurück an unsere Schulzeit erinnern und feststellen, dass wir all dies, was wir uns mühsam erarbeiten und eintrichtern mussten, längst vergessen haben? Ist es nicht vielfach auch noch so, dass genau das, was uns damals so schwer viel, im Leben nie mehr wirklich auftauchte und gebraucht wurde? An diesem Sonntag in Aarau bekam ich stark den Eindruck, dass neben den Hauptakteuren auf der Bühne, ganz viele Leute, darunter auch mindestens 70 % Lehrerinnen und Lehrer, zum Schluss gekommen sind, dass sich im Schul- und Bildungssystem was ändern muss. Ich durfte feststellen, dass ganz viel Erkenntnis und Bewusstsein zu diesen Themen vorhanden ist. Es waren viele Lehrerinnen und Lehrer da, die förmlich um Hilfe schreien, weil sie erkannt haben, dass das, was heute vermittelt wird, nicht mehr zeitgemäss ist. Wie wäre es also mit einer Schule, die auf die Kinder zu- und eingeht? Lehrern, welche die Fähigkeiten der Kinder erkennen und fördern? Lehrer, oder wie es Christina so schön sagt «Begleiter», welche den Kindern auf Augenhöhe begegnen und bereit sind, auch von Kindern zu lernen. Schulen, in denen Kinder von Kindern lernen? Lebensschulen, in denen den Kindern das Einmaleins oder das sogenannte Grundwissen auf andere Art vermittelt wird - zum Beispiel, wie man mit Konflikten, der Natur oder Mitmenschen umgeht? Orte, an denen laufend Bewusstseinserweiterung stattfindet, Eigenständigkeit und Selbstbestimmtheit gefördert werden? Schulen, in denen in unserer Multikulti-Gesellschaft zum Beispiel Religionsunterricht durch Meditationstraining ersetzt wird? Lehrstätten, in denen es vor allem keine eigentlichen Prüfungen und Noten mehr gibt? Würden unsere Kinder nicht mit viel mehr Begeisterung und Freude dorthin gehen und so richtig aufblühen? Wäre dann nicht viel mehr möglich, weil die Kinder dann genau dort gefördert würden, wo sie stark sind?

 

Oder wie sagt es wiederum André Stern so schön? «Unsere Kinder sind, wenn sie auf die Welt kommen, richtige Potenzialbomben.» Jedes davon einzigartig und mit unvorstellbaren Fähigkeiten, Möglichkeiten und neuartigen Energien. Und genau dieses Potenzial ist es doch, was wir mit unserem aktuellen Schul- und Bildungssystem massiv einschränken!

 

Was mir beim Seminar noch fehlte, war neben dem Aufruf an die Lehrer auch der Aufruf an alle Eltern, mehr Verantwortung zu übernehmen und den Kindern weit mehr Zuwendung zu geben. Es ist einfach nicht damit getan, Kinder auf die Welt zu stellen und diese bei der erstbesten Möglichkeit in die Krippe zu schicken. Die Kinder haben sich die Eltern schliesslich ganz bewusst ausgesucht und suchen die Nähe und Wärme zu Mama und Papa. Geschieht diese Trennung zu früh, entsteht bei den Kindern bereits der Ur-Schmerz, der dem Kind so richtig weh tut und das Potenzial des Kindes bereits massiv einschränkt. Ein Kind, das die Nestwärme Zuhause mitbekommt, würde wohl auch viel eher mit dem jetzigen Schulsystem zurechtkommen. Fehlt beides, d. h. sowohl der Schutz von Zuhause als auch die Anerkennung in der Schule, so bleibt der jüngsten Generation nur noch der Griff zu Alkohol, Drogen oder immer ausgeprägter die Flucht in Computer-Games oder Social Media. Warum tun sie das? Weil sie sich genau dort erhoffen, zum Helden zu werden und die Anerkennung zu bekommen, die ihnen oft sowohl Zuhause als auch in der Schule fehlt.

 

Das heutige Schulsystem mag mal seine Berechtigung gehabt haben und es ist bestimmt nicht alles nur schlecht dabei. Allerdings wird es Zeit für einen Wandel. Auch wenn dieser nur schrittweise geschieht, ist es ein Anfang. Dieser Wandel setzt allerdings nur dann ein, wenn man dafür auch was tut. Mein erster kleiner Beitrag war dieser Blogbeitrag und mir liegt persönlich viel daran, mich in diesem Bereich weiter zu engagieren, in der Hoffnung, dass viele weitere auf diesen Zug aufspringen werden. Dies tut übrigens auch Christina von Dreien, welche das heutige Schulsystem erst grad durchlebt hat und dazu aufruft, etwas zu tun, damit Veränderung stattfindet. Entsprechend ist sie am Aufbau einer eigenen Schule. Wer ihr dabei Unterstützung bieten möchte, u. a. auch was die Finanzierung anbelangt, kann sich via Mail an bildung@christinavondreien.ch mit ihr in Verbindung setzen. Wer den Eindruck hat, dass sich das Schul- und Bildungssystem grundsätzlich ändern muss und bereit ist, dafür etwas zu tun, schreibt an forschung@christinavondreien.ch.

 

Erzwingen sollten wir nichts, denn unter Druck entsteht nichts Gutes. So denkt übrigens auch Christina von Dreien, die das Seminar immer wieder unterbrach, um Musik einzulegen, damit alle gemeinsam tanzen und die "Zwangsjacke" abstreifen!

 

Beim Nachhausegehen war es noch immer neblig-kühl und die Nacht war bereits hereingebrochen – mir und wohl ganz vielen Teilnehmern war es im Bewusstsein, dass Veränderungen eintreten werden, ganz warm ums Herz.

 

Buchtipps:

«Und ich war nie in der Schule». Geschichte eines glücklichen Kindes von André Stern.

«Schule einfach anders». Aus dem Leben einer Homeschool-Familie von Martina Amato.

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